Wird das Dortmunder FZW verpachtet?

In das neue FZW an der Ritterstraße wurden in Dortmund große Hoffnungen gesetzt. Man hoffte, dass das Ruhrgebiet durch eigenes engagiertes und kompetentes Booking endlich wieder Konzerte abbekommt, die ansonsten in Köln landen, man wollte die Abstimmung der Clubs des Ruhrgebiets fördern, damit die sich nicht das Publikum gegenseitig wegnehmen, in das klassische Clubkonzept sollte Jugendarbeit in einem neuen Maßstab integriert werden und nicht zuletzt sollte das Umfeld zum Dortmunder U ganz neue Symbiosen entstehen lassen. Mit diesen Zielen ließ die Stadt Dortmund das FZW bauen und mietet es seitdem unter Beteiligung der AWO. Wie die WAZ am 30. Juni meldete droht nun ein grundlegend neues Betreibermodell für das Vorzeigeprojekt.

Der neue Oberbürgermeister Ullrich Sierau hatte noch vor der Wahl bei abgeordnetenwatch angekündigt, dass er keine Privatisierung des FZW anstrebt:

"Sehr geehrter Herr XXX ,
das FZW wird nach meiner Wahl zum OB ( Danke für Prognose ) nicht privatisiert. Allerdings gibt es Überlegungen, wie kommerzielle Veranstalter in den Betrieb des FZW integriert werden können. Die Jugendkulturarbeit soll weiter kommunale Aufgabe bleiben und gerade am FZW Raum bekommen.

MfG Ihr Ullrich Sierau"

 Nun droht angesichts städtischer Löcher auch keine vollständige Privatisierung, sondern eine Verpachtung des FZW durch die Stadt. Und vielleicht spielt auch eine ältere Diskussion eine Rolle. So war das FZW zeitweise in die Kritik geraten, weil es Club und Halle zu marktunüblichen „Einführungspreisen“ an Veranstalter vermietete, was natürlich die private Konkurrenz (in diesem Fall u.a. die Westfalenhallen) verärgerte, die keine öffentlichen Gelder erhält (2010LAB berichtete hier und hier).

Was droht nun?

Das FZW war nie ein klassisches Clubkonzept. Zwar finden hier Parties und Konzerte statt. Das FZW ist allerdings nicht beliebig mietbar wie prinzipiell andere Clubs, sondern das Programm im FZW bestimmen die Macher durch eigenes Booking letztlich selbst. So sollte der Jugendaspekt gewahrt bleiben. Eigene Jugendarbeit ist allerdings bislang nicht richtig angegangen worden.

Beides wird unter einem privaten Pächter auf dem Prüfstand stehen. Wird das FZW privat gepachtet, hat die Stadt in Zukunft nur noch einen begrenzten Spielraum, was die Programmgestaltung angeht. Nicht gewinnorientierte Jugendarbeit ist für einen privaten Pächter ebenfalls erst einmal uninteressant. Im entsprechenden FZW-Artikel betont Stadtkämmerer Jörg Studemann immerhin, dass die Stadt an den neuen Pächter entsprechende Auflagen hinsichtlich der Programmgestaltung an den neuen Betreiber richten würde.

Inwieweit sich ein Pächter darauf einlassen wird, wird sich dann ebenso zeigen wie, ob sich das FZW dann überhaupt noch groß von der teilweise ja durchaus hochwertigen Clubkonkurrenz unterscheidet. Die hoch gesteckten Ziele an der Ritterstraße könnten in naher Zukunft jedenfalls ordentlich gestutzt sein und das wäre sehr schade drum.

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Fr, 09.07.2010 15

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Kommentare

@redaktion

danke dafür!!!

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Hallo allerseits, wir hatten ein kleines Problem mit der Kommentaranzeige, dass nach zehn Kommentaren keine mehr angezeigt wurden. Das Problem ist nun behoben.

Viele Grüße aus der immer noch ganz schön warmen 2010LAB.tv-Redaktion

test

test

Letzter Kommentar

Was soll den so ein total infantiler und dummer Kommentar? Schade um jede Bit, was dafür verschwendet wurde. Ob und wieviel Leute für ein Konzert ausgeben wollen und können, ist natürlich individuell. Aber die meisten können es sich ohne Probleme leisten, sind aber trotzdem am rumkacken! Wer zwei, drei, vier, fünf... Bands am Abend sehen und hören kann und dafür irgendwas zwischen 12 und 20 Euro zahlen muß, kann ja wohl nicht ganz normal sein, wenn er sich dann über die Preise noch am auskotzen ist. Fakt ist, dass die die allermeisten Veranstaltungen im FZW so ziemlich am ganz unteren Ende der Preisskala ist, was Konzert & Co. angeht. Abgesehen davon, ist Deutschland im Ausland bekannt dafür, dass sehr hohe Garantien von den Managern gefordert werden können und sich IMMER irgend ein Veranstalter findet, der auf diese eingeht und erfüllt. Aber schön, dass mal wieder ein Unterschied zwischen "privat" und "öffentlich" gemacht wird. Ich erwarte von BEIDEN, dass Sie wirtschaftlich arbeiten und NICHT Geld ausgeben, was Sie nicht haben oder das von fremden Leuten (Bürgern). Wenn Geld da ist, kann man sehen, ob man hier und da ein Programm fährt, was erstmal nicht sehr viel kommerziellen Erfolg verspricht und nochmal, selbst die erfolgreichen "Events" des FZW, sind ein Verlust. An den Besucherzahlen liegt es eben nicht. Solche kleinen Läden, bekommt man mit fast jedem Programm voll, die Frage ist mal wieder, was für ein Publikum will ich ansprechen und genau das ist ein sehr großer Problem der ganzen "SoziKulti-Veranstaltungsorte". Ein Programm für "künstlerisch anspruchsvolle Individualisten und gleichzeitig Teeny-Disco, RnB, Reggae, Rockabilly und was für Trash-Metaller anbieten und dann so gut wie nirgendwo Werbung dafür, dass kann auf Dauer nicht gut gehen, genauso wie Mitarbeiter die lustlos in solchen Orten ihre Sozialstunden abbauen und nur nur nicht vorhandenes Engagement und Inkompetenz glänzen.

Hauptproblem

Das mag sein. Aber da man - wie Brecht mal bemerkte - alles ändern kann, außer den Menschen, können wir zwar darüber lamentieren, dass für jeden Scheiß Geld ausgegeben wird, nur nicht für tolle Konzerte - nützt aber nichts.
Insgesamt ist das ein weiteres Argument für die Notwendigkeit öffentlicher Popförderung, die ja auch in Form einer Unterstützung privater Veranstalter stattfinden könnte. Schon alleine eine Überarbeitung der Regelungen zur unsäglichen Ausländersteuer, könnte manchem Veranstalter weiterhelfen.
Erich

Das Hauptproblem ist doch,

Das Hauptproblem ist doch, dass immer weniger Leute bereit oder in der Lage sind Geld auszugeben, z. B. füt Konzerte. Die Künstler kümmert es wenig, die bekommen irgendwo ihre Gagen. Dazu kommen dann noch die ganzen Nebenkosten. Daran gehen dann gerne mal privartwirtschaftliche Unternehmen zugrunde.

Fortsetzung

Der letzte EIntrag hat wohl nicht ganz gepass. Hier der Rest:

Mal abgesehen davon, dass sich die Westfalenhallen GmbH nicht gerade durch herausragende wirtschaftliche Erfolge hervortut, ist zu befürchten, dass auch hier das Know How für eine innovative Popförderung nur in sehr geringen Dosen vorhanden ist. (Vorsicht Witz – ist natürlich überhaupt nicht vorhanden, könnte höchstens eingekauft werden.)
Dem Liebhaber innovativer Live-Klänge bleibt also nur Weg nach Köln, die Suche nach Nischen, die es im Ruhrgebiet dann doch vielleicht noch irgendwo gibt, – oder die Eigeninitiative …
Eine Westfalenhalle 9 an der Ritterstraße dürfte für die Freunde und Freundinnen der Kunst keine Anlaufstelle mehr sein – aber vielleicht geschehen ja noch Zeichen & Wunder …
Glauben will ich es nicht.
Erich

Pop als Kunst

Was die Popmusik zur interessantesten aller Künste macht, ist ja gerade, dass sie (wenn sie gut ist), Kommerz, Unterhaltung, Kunstanspruch & meinetwegen auch Jugendkultur zusammenführt. Sicher ist nicht für jeden Popinteressierten jeder Aspekt gleich wichtig. Die eine verdient ihr Geld damit, der andere braucht nur ein wenig Hintergrundrauschen & Tanzmucke, der nächste sucht Identifikation und Abgrenzung – alles o.k… Und dann gibt es eben auch Popkonsumenten die Spaß an der Musik selber haben, am „Werk“, nenn es „Kunst“, nenn es „Ästhetik“ – egal. Das kann schon mal was Elitäres haben oder sagen wir neudeutsch – etwas nerdhaftes.
Solchen Leuten ist es in der Regel egal, wo ihre Musik gespielt wird. Ob im verqualmten Club, im versifften Jugendzentrum, im Konzerthaus – Hauptsache sie wird gespielt. Und das dies – zumindest im Ruhrgebiet – immer seltener passiert, hat viele Gründe: Ausländersteuer, unfähige Clubbetreiber, zu wenig Nerds, Kommunen mit desolater Finanzlage. Womit wir beim Thema FZW wären.
Hier ist es lange Jahre gelungen, in einer Mischung aus Vereinsengagement (VUK), kommunaler Unterstützung und Kommerz (Club 30 etc.) ein Programm zu fahren, das zwar nicht immer jeden glücklich gemacht hat, aber in seiner Gesamtheit betrachtet, ein Beispiel für gelungene Popförderung war. Hier muss aber sehr deutlich gesagt werden, dass dies ohne die finanzielle Förderung durch die Stadt Dortmund nie funktioniert hätte. Ich bleibe dabei: Kunstförderung ist eine öffentliche Aufgabe. Kein privater Betreiber kann so blöd sein, auf Dauer Popkonzerte mit Kunstanspruch zu veranstalten. Eine Kommune muss so blöd sein! (Oder konsequenterweise auch ihre Museen, Theater, Konzerthäuser, … schließen.)
Nachdem – auch dies ist unbestritten – das alte FZW-Gebäude am Neuen Graben völlig abgerockt war, machte man sich auf die Suche nach Alternativen. Was dabei rum gekommen ist wissen wir. Dabei ist das Gebäude „neues FZW“ gar nicht schlecht. Super Akustik, der kleine Club hat genau die richtige Größe für Nerd-Konzerte und die Halle ist für Partyveranstaltungen genauso gut geeignet, wie für mittelgroße Konzertveranstaltungen. Daran liegt es also nicht. Aus meiner Sicht liegt es am fehlenden inhaltlichen Konzept. Man hat sich über den Bau Gedanken gemacht, über Betreiberkonzepte (die alle nicht funktionieren) aber nicht über content. Auch das hängt natürlich mit der desolaten Finanzlage der Stadt zusammen. Und da kann man dann schon mal überlegen, ob eine kleinere Lösung ohne die horrenden Betriebskosten (die ja erst mal eingespielt werden müssen) nicht die bessere gewesen wäre.
Wenn nun die Westfalenhalle – ein Messebetrieb mit angeschlossenem Konzertbetrieb – ins Boot geholt werden soll, ist das wohl das Ende einer Idee eines FZW, in dem Kommerz & Kunst, Unterhaltung & Jugendkultur ihren Platz haben. Mal abgesehen davon, dass sich die Westfalenhallen GmbH nicht gerade durch herausragende wirtschaftliche Erfolge hervortut, ist zu befürchten, dass auch hier das Know How für eine innovative Popförderung nur in sehr geringen Dosen vorhanden ist. (Vorsicht Witz – ist natürlich überhaupt nicht vorhanden, könnte höchstens eingekauft werden.)
Dem Liebhaber innovativer Live-Klänge bleibt also nur Weg nach Köln, die Suche nach Nischen, die es im Ruhrgebiet dann doch vielleicht noch irgendwo gibt, – oder die Eigeninitiative …
Eine Westfalenhalle 9 an der Ritterstraße dürfte für die Freunde und Freundinnen der Kunst keine Anlaufstelle mehr sein – aber vielleicht geschehen ja noch Zeichen & Wunder …
Glauben will ich es nicht.
Erich

Das infantile, dumme Gelaber

Das infantile, dumme Gelaber von Ewiggestriger, die immer noch Phrasen dreschen mit Stichwörtern wie Kunst, Kommerz, privat und öffentlich, kann ich mir echt nicht mehr reinziehen. Das FZW hatte über lange Zeit und immer wieder, ein tolles und interessantes Programm. Der "alte Laden" war total fertig und reif für den Abriss... und wenn sich jemand in Sachen "Stimmung" beschwert, dann einfach mal an die eigene Nase packen oder was ist Eure Problem? Wenn Ihr Euch nur in irgendwelchen versifften Läden wohl fühlt, dann geht doch in solche... und zu fordern, dass gefälligst nur ein "künstlerisch" wertvolles Programm aufgeführt oder durchgezogen werden darf... was genau soll das bedeuten? Die meisten die solche Forderungen stellen, haben doch selber null Ahnung in Sachen "Kunst", egal in welche Richtung es geht... oder bedeutet das einfach nur (und das wurde ja in div. Kommentaren auch deutlich) das gefälligst nur ein ganz kleines Publikum angesprochen werden darf und dann die Besucherzahlen nicht ausreichen um die Kosten zu decken, aber alle restlichen Dortmunder das gefälligst freudestrahlend mit zu bezahlen haben, weil das ist ja "Kunst"!? Selbst die Konzerte die für das FWZ richtig gut gelaufen sind, sind doch im Großen gesehen nur kleine Veranstaltungen gewesen, die eben NICHT die Massen angesprochen haben. Lustig ist auch, die Westfalenhallen mit in das Thema einzubringen... die sind selber finanziell total fertig, genauso wie das Konzerthaus... aber wahrscheinlich hat das defizitäre Konzerthaus eine größere Lobby in Dortmund, von den ganzen Leute im Rat, die auch meinen, Sie hätten Ahnung von "Kunst".

so langsam ...

... kommt mir aber der verdacht, dass es im ruhrgebiet einfach an anspruchsvollem publikum fehlt. die dominanz von show-events, musicals und massenbespaßung, während anspruchsvolle veranstaltungen eigentlich immer am existenzlimit operieren, lässt ja darauf schließen. aber dass das neue fzw auch halb so groß hätte werden können, finde ich auch. man hätte auch eine alte, bereits bestehende immobilie beziehen und sanieren können, dann wäre vielleicht sogar so etwas wie flair oder ein besonderer charme entstanden. aber dazu bräuchte man wieder ausreichend publikum, dass das zu schätzen wissen würde. womit wir wieder beim ausgangspunkt wären. ein ewiger kreislauf ...

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Über den Autor

06.01.2010

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