
Wir wollen euer Geld nicht, aber Räume für unwirtschaftliche Kreativität!
- Serie: Ökonomie
Geld aus dem Sozialtopf für die Kreativwirtschaft?
Hab mal wieder gelesen, dass die Gelder, die jetzt aus den bankrotten Kassen der Ruhrgebietshaushalte in die Kreativwirtschaft fließen, zu einem großen Teil aus den Töpfen für soziale Projekte und Jugend- und Kulturzentren entnommen werden und stelle mir die Frage: wer will dieses Geld?
Gold für die Leuchttürme, doch kein Geld mehr für Schiffe?
Dass die Kulturhauptstadt sich nicht in erster Linie mit der Förderung beziehungsweise Aufrechterhaltung lokaler, freier Kultur beschäftigt, sondern auf die Generierung medialer Aufmerksamkeit zwecks Image-Bildung des Ruhrgebiets als Kreativitätsmotor aus ist, war schon länger offenkundig. Zumindest ist es mir nicht zu Ohren gekommen, dass Konzertreihen junger Musiker in Jugendzentren oder freie Theatergruppen mit vergleichsweise kleinen Summen am Leben erhalten werden sollen.
Pro Gießkanne!
Das vielfach verteufelte „Gießkannenprinzip“ in der Kulturförderung ist meines Erachtens aber das einzig gerechte. Doch zurück zu den sozialen Projekten und Jugendzentren:

Keine Räume für Entwicklung...
Eins muss klar sein: dem Ruhrgebiet mangelt es massiv an freien Produktions- und Aufführungsstätten für Kunst. Der kreativwirtschaftliche Ansatz der Kulturförderung richtet sich an die, die bereits wirtschaftlichen Erfolg haben, bzw. an die deren kulturell-kreative Projekte sich wirtschaftlich nutzbar machen lassen können. Dazu sei folgendes festgestellt:
Ein kreatives Konzept zu entwickeln bedarf einer ausreichenden Phase des freien Ausprobierens. Sollen neue Veranstaltungsformen, Geschäftsmodelle oder künstlerische Projekte entwickelt werden, die irgendwann auf dem freien Markt überleben können, brauchen diese öffentlich geförderte Freiräume, in denen diese Formen ausprobiert werden können. Diese Freiräume existieren nicht!
...außerhalb des Vermarktungszwangs!
Die Kulturhauptstadt hat es versäumt für die langfristige Sicherung und die kurzfristige Schaffung künstlerischer, kreativer Freiräume zu sorgen. Die Kreativ-Quartier Initiative ist dabei gut gemeint, aber im Bezug auf den Bedarf künstlerischer-kreativer Zentren zu kurz gegriffen. Die Entwicklung neuer künstlerischer-kreativer Konzepte erfordert Inseln des Ausprobierens außerhalb des sofortigen Zwangs zur Vermarktung.

Wir haben alle in freien Zentren angefangen
Die Jugend- und Kulturzentren im Ruhrgebiet und die dort gegebenen Möglichkeiten für spielerische, kulturelle Entfaltung in Proberäumen, Konzerten und Projektangeboten, sind die einzigen Orte, die jungen Menschen die Möglichkeit geben sich künstlerisch auszuprobieren. Nicht umsonst haben beinahe alle mir bekannten Bands und Künstler ihre ersten Auftrittserfahrungen in nicht-kommerziell orientiert arbeitenden Kulturzentren gemacht. Ich glaube hier mit der Stimme vieler zu sprechen, wenn ich sage:
Wir wollen das Geld nicht, das Jugend- und Kulturzentren, sowie freien sozialen Projekten entzogen wird, um unsere Kunstprojekte zu finanzieren!
Was nun?
Ich weiß nicht, vielleicht sollten wir was besetzen- hab heute gehört es gäbe in NRW nicht mal ein besetztes Haus....
Mehr dazu im 2010Lab:
- Hahn von Opel fordert ein Essener Kulturzentrum
- Rapper Wojna sinniert über RUHR.2010 bei den Sprachmalochern
- Daniel überlegt ein Parkhaus zu besetzen
- Das Taranta-Babu ein Raum für Literatur in Dortmund
- Ein Bericht von der Jahrestagung Kulturwirtschaft
Alle Bilder von Gigo Propaganda: gigopropaganda.com

"Die Party" - Gigo Propaganda
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Wenn ich das wort
Wenn ich das wort kreativwirtschaft hören schmecke ich bereits den sauren gemschack des erbrochenen auf meiner zunge
Freiräume ohne Gelder?
Stimmt - kein Geld aus Jugendzentren umschichten in Kreativwirtschaft!
Stimmt - es fehlen Freiräume (nicht im Ruhrgebiet), frei von Kommerz- und Vermarktungszwang.. Übrigens: In der Großindustrie nennt sich dies "Grundlagenforschung". Dort gibt man bereitwillig Millionen aus.
Ich verstehe das RUHr.2010 Projekt Kreativ.Quartiere nicht begrenzt auf kommerzielle Kreativunternehmen. KiT e.V. in Oberhausen ist so ein Beispiel, Urbanatix in Bochum ein anderes.
Hier hat Deutschland insgesamt ein zu enges Bild von Kreativwirtschaft, wenn es nur die erwerbswirtschaftlichen Akteure einbezieht. Schon in den Niederlanden, Polen, Frankreich zählt die öffentiche Institute wie auch die gemeinnützigen und noch-nicht-Profit dazu......