unprojekte: Das fröhliche Kreativwirtschaftswunder von nebenan

Sie sind ein Pool, sie sind eine Bewegung: Ein Gespräch in der Zweibar mit den Köpfen hinter unprojekte (2010).
 
Jens Kobler: Zunächst wurde unprojekte vor allem als Vehikel für Menschen wahrgenommen, die ihre Projekte nicht im offiziellen Programm der Kulturhauptstadt unterbringen konnten. Dieser erste Eindruck täuscht aber anscheinend.
 
Holger Gathmann: Es geht auch um abgelehnte Projekte, aber ebenso um Ideen von Leuten, die gar nicht erst den offiziellen Weg gehen wollten oder wollen, also unabhängig von öffentlichen Geldern sind.
 
Gabriel Gedenk: Dabei geht es auch um die Idee der Nachhaltigkeit, also darum, nach 2010 noch als autarke Plattform zu funktionieren.
 
Marcus Kroll: Es geht sowohl darum, diese Plattform an sich zu kommunizieren, als auch darum, die dahinter stehenden Einzelprojekte zu fördern.
 
Holger Gathmann: Die Ideengeber sollen vernetzt werden, Sponsoren gefunden, Realisierungen voran getrieben.
 
Gabriel Gedenk: Ein aktuelles Beispiel für eine solche Realisierung ist „Auf Ruhrstadt“, ein Brettspiel zu Kapitalflüssen zwischen Kommunen, …
 
Marcus Kroll: ,… das auf einer Idee des Ruhrstadt-Netzwerkes beruht und bald in den Handel kommen wird. Das ist ein gutes Beispiel für die Eigendynamik, die unprojekte entwickelt, auch indem wir oft auf Kooperationsmöglichkeiten angesprochen werden.
 
JK: Gibt es da eine Art Vertrauen in die Marke unprojekte in dem Sinne, dass wie bei einer Agentur Ideen und Know-How vermittelt werden? Und wie gestaltet sich das anbetracht der vielen und verschiedenartigen Projekte?
 
Holger Gathmann: Natürlich spielt das mit hinein mit dem Agenturgedanken, schon weil ich Teil der Essener Kreativagentur Gathmann Michaelis und Freunde bin.
 
Gabriel Gedenk: Zunächst dachten wir selbst, dass unprojekte mehr als Plattform zur Kommunikation der Projektmacher untereinander dienen würde. Es stellte sich aber schnell heraus, dass die Leute eher auf uns zu gekommen sind, damit wir bei der Vermittlung helfen. Partiell können wir das leisten, aber nicht im Sinne einer reinen Agentur.
 
JK: Es wird also teilweise realisiert, aber manchmal auch „nur“ mit Präsentationen, Promotion und Kontakten unterstützt?
 
Holger Gathmann: Ja. Genau dadurch, dass sich diese Marke unprojekte entwickelt hat, geben wir manchen Projekten auch gerne unseren „Stempel“, ein aktuelles Beispiel ist die Albumpräsentation der Band Festland im Goldclub in einigen Wochen. Ein anderes Beispiel ist der "Kulturrun" in Oberhausen.
 
Marcus Kroll: Dieser Kulturlauf findet am 16. April in Oberhausen statt, und es wird ein großes Rahmenprogramm geben, diesmal u.a. auch mit Künstlern aus unserem Pool, sowie eine Podiumsdiskussion mit unserer Beteiligung.
 
Gabriel Gedenk: Da zeigt sich dann auch der Vorteil, dass wir so eine „bunte Tüte“ im Angebot haben,…
 
Marcus Kroll: ,… und dass wir beileibe nicht nur theoretische Konzepte anbieten, sondern ganz konkrete, sofort umsetzbare Ideen.
 
JK: Wenn also viel bei der Verwirklichung und Verbreitung von Projekten geholfen wird, dann gibt es doch sicherlich auch das Bedürfnis, den Markenkern zu positionieren, also originäre „unprojekte-Projekte“ durchzuführen, oder?
 
Marcus Kroll: Das können wir klar bejahen, denn wir stellen uns mit ganz breiter Brust auf. Im Sommer wird es einen Monat lang ein unprojekte-Festival in der Essener Innenstadt geben, und zwar genau um zu zeigen, dass wir nicht einfach nur eine virtuelle Schnittstelle sind, sondern dass es Gesichter hinter den Projekten gibt. Da wird es Ausstellungen, Partys, einen Katalog und vieles mehr geben. Alle Projekte, die Ende Mai auf unserer Homepage verzeichnet sind, werden dort auf die eine oder andere Art präsent sein.
 
Gabriel Gedenk: Und es gibt dazu auch eine ganz aktuelle Aktion: Seit dem 1. März, 0 Uhr, läuft unser Online-Voting.
 
Holger Gathmann: Im Gegensatz zum Auswahlverfahren der Jurys bei den Kulturhauptstadtprojekten können bei uns alle Bürger dafür stimmen, welches die zehn besten bzw. beliebtesten Projekte sind. Die Gewinner werden dann im Rahmen des Festivals präsentiert.
 
Marcus Kroll: Und zwar an zehn Tagen von Mitte August bis Mitte September, am Essener Kopstadtplatz und in umliegenden Ladenlokalen.
 
Gabriel Gedenk: Damit wollen wir ganz konkret dafür sorgen, dass alle Projektideen für 2010 tatsächlich umgesetzt werden können, wie es ja einmal versprochen wurde.
 
JK: Besten Dank für den Einblick in die aktuelle Arbeit!
 

So, 07.03.2010 0

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04.12.2009

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