Realität auf dem Prüfstand - UZDO sprengt "Stadt ohne Geld"-Auftakt

Hoppla! Fabian Lettow vom regieführenden kainkollektiv steht zum Auftakt der „Stadt ohne Geld“-Reihe auf der Bühne des Dortmunder Schauspielhauses und wehrt sich gegen die hier im LAB publizierte und aus seiner Sicht ohnehin tautologische Aussage „IfuK – Alles nur Theater!“.

Wer den Standpunkt vertrete, dass es sich beim Institut für urbane Krisenintervention um eine reine Inszenierung handele, der müsse, so Lettow, „seinen Begriff von Realität überprüfen“.


Grenzgang zwischen Drehbuch und Improvisation


Internetauftritt des Projekts "Stadt ohne Geld"
Das fällt nun aber gerade an diesem Mittwochabend schwerer denn je, denn mitunter sind die Grenzen zwischen Drehbuch und Improvisation wahrlich fließend. Man nehme die Aktivisten des UZDO, die vor Beginn der Veranstaltung im Eingangsbereich Transparente entrollen und Flugblätter verteilen, in denen sie ihre bereits in einem offenen Brief und tatsächlich in konkreter Absprache mit den anderen „SoG“-Beteiligten veröffentlichte Kritik an den vielen IfuKs dieser Weltwiederholen.

Die parallel stattfindenden direkten Proteste gegen das Projekt „Stadt ohne Geld“ sind dagegen als kleines Prequel vom Schauspielensemble selbst initiiert. Was sich dann wenig später unter dem Titel „Economy Death Match“ vom gepolsterten Sessel aus verfolgen lässt, ist ein Wandeln zwischen Dokumentation (Auftritt von Verkäufern des Straßenmagazins BODO) und Klamauk (Kidnapping von Schauspieldirektor Kay Voges).

Ist Dortmund noch zu retten?


Über allem schwebt das Drama einer „Stadt ohne Geld“, während der auf der Bühne formulierte Wille „Ich möchte Dortmund retten!“ vom Publikum mit ungläubigem Gelächter quittiert wird.

Insbesondere die Ausführungen von Hendrik Feldkamp, beim IfuK „Agent for Cultural and Economic Development", zu den Leistungen und Zielen seines Instituts sind dermaßen herrlich überzeichnet, dass ihm das größte schauspielerische Talent von allen Beteiligten bescheinigt werden darf.

Im letzten Drittel der Vorstellung stürmen die UZler, ebenfalls zusammen mit den Verantwortlichen des Schauspielhauses dramaturgisch geplant, lautstark marodierend die Bühne. Es werden eingängige Parolen geschmettert und die Kritik an der Kooperation mit dem Institut ein weiteres Mal zum Besten gegeben.

Hendrik Feldkamp beteuert ernste Absichten von IfuK


Davon will Hendrik Feldkamp indes im Vorfeld nichts gewusst haben, wie er im Anschluss in einem sehr angenehmen Gespräch unter vier Augen beteuert. Besonders das Übersprühen des Ifuk-Logos habe ihm überhaupt nicht gefallen. Das eben dieses Schicksal (spontan!) den nun rot leuchtenden Stern über dem Theatereingang ereilte, den örtlichen Verantwortlichen unter Umständen auch nicht.

Der geschmeidige Herr Feldkamp bleibt selbst nach dem Fall des Vorhangs seiner Rolle treu. „Welche Rolle?“, fragt er gediegen entrüstet und hält konsequent daran fest, dass das IfuK ein seriöses Unternehmen mit ernst gemeinten Absichten sei. Lediglich ein Teil der Vorstellung sei inszeniert gewesen, räumt er ein und bei seinem Gegenüber keine Zweifel am offerierten Wesen des Instituts aus.

Man vereinbart schließlich, weiter „im Guten“ in Kontakt bleiben zu wollen. Mal schauen, wer am Ende womöglich wen zu überzeugen vermag.

„Stadt ohne Geld“ endet am 2. Februar 2011 mit einer feierlichen Kapitulation.

Foto: Michael Blatt (Motiv: UZDO)

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Do, 07.10.2010 3

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Kommentare

ifuk

Hi, ifuk ist fiktiv und fake, da die Email-Adresse und Mobil Tel.-Nr. der Visitenkarte von Hr. Feldkamp nicht funktionieren.

Stadt ohne Geld Bühnenerstürmung

War Die Erstürmung der Bühne dem Altmeister des Forumtheaters Augusto Boal geschuldet, so war sie doch nicht konsequent. Ifuk ist fiktiv. Hier ist die Chance von den UZ-Leuten verpasst worden, Verantwortliche beim Namen zu nennen: Die Stadt Dortmund, die Kreativwirtschaft und auch den Dortmunder OB Ulrich Sierau mitsamt seinem Kulturdezernenten Jörg Stüdemann. Mag es der Inszenierung von Kay Voges geschuldet sein? Dann war es gelungen, nämlich als Kritik an der Protestkultur der UZ-Leute. Das Ifuk als Platzhalter zu verstehen reicht nicht aus.

der Abend triefte nur so vor

der Abend triefte nur so vor Ironie und Doppelbödigkeit, die doch zumindest deutlich gemacht hat, dass es die eine Wahrheit im U-Turm nicht geben kann.

Deswegen fand ich es umso überraschender, als ich zwei Gespräche von Besucher_innen in eher klassischer Abendgaderobe belauschen konnte die, ganz 2010 treu, die UZler für in den 80ern stecken geblieben hielte und der Grony doch recht hätte mit der Kreativitätswirtschaft und der Nachhaltigkeit...

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05.01.2010

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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