
Nützliche Dinge in Dortmund - Architektur und Netzwerke
- Serie: Kreative Klasse Ruhr
Die zweite Ausgabe der „Nützlichen Dinge“ in der Ständigen Vertretung Dortmund lockte mit Geschichten zwischen Fußball, Pralinen, Bunkern und Zeiträumen, die erzählt werden sollten von den Kölner Architekten Patrick Pütz und Jochen Reetz. Letzterer war dann leider wegen eines Arbeitsunfalls verhindert (bei der Gelegenheit: gute Gesundung!) und die improvisierte Skype-Live-Schaltung ins Krankenhaus funzte auch nicht so richtig. Also Patrick Pütz alleine, allerdings nicht minder unterhaltsam.
Mit ihrem Büro KOMMA4 setzen die beiden Architekten Visionen unterschiedlichster Art um – von temporären Installationen für die "Passagen" während der internationalen Möbelmesse bis zur Realisierung eines mehrstöckigen Containerbaus vor dem Sankt Pauli-Stadion in Hamburg. Mit klassischem Häuslebau beschäftigen sie sich bisher kaum. Zu hören gab es stattdessen Interessantes über das "Netzwerken" auf vielen Ebenen, das Basteln mit vielen Materialien und den souveränen Umgang mit Bürgersteignutzungsverordnungen - Anekdoten aus dem Architektenalltag eines ganz unalltäglichen Büros.
Der Blick eines Kölners auf das Ruhrgebiet
Nach dem Vortrag erwischte ich Patrick Pütz beim Einpacken seines Laptops und konnte kurz mit ihm sprechen. Interessant war für mich der Blick eines Kölners auf das Ruhrgebiet. „Man hat zwar immer eine Distanz, aber auch eine gewisse Verbundenheit damit.
Sehr spannend finde ich vor allem den Wandel im Ruhrgebiet.“ erklärt Patrick. Die Kulturhauptstadt sieht er als gute Gelegenheit, der heimischen Szene ein größeres Publikum zu bescheren: „Das sind dann nicht mehr nur die 'Verrückten', die an einem Standort schon immer ganz tolle Sachen gemacht haben, sondern plötzlich werden diese Leute ins Rampenlicht gerückt. Und für die ist das ganz gut – innerhalb der Szene waren sie vielleicht schon immer bekannt und wurden verstanden, aber durch den Fokus auf der Region werden die Leute jetzt vielleicht auch überregional wahrgenommen und für eine breitere Masse interessant.“
Jeder fängt klein an
Dem Hype um Kulturstädte wie Hamburg oder Köln begegnet Patrick mit Gelassenheit: „Von außen heißt es immer 'die Galerie in Köln' oder 'die Agentur aus Hamburg', aber letztlich ist es überall ähnlich: jeder fängt klein an und muss dann Initiative zeigen, an sich und die Projekte glauben, und dann wird man komischerweise durch Fremde viel stärker wahrgenommen als durch die eigenen Nachbarn. Für die ist man halt der Nachbar, der schon immer seinen Kram macht, und für die anderen ist man dann plötzlich 'die Agentur aus Köln'.“ – Na das lässt doch hoffen, dass auch im Pott die Projekte auf dem richtigen Weg sind und man demnächst andernorts ehrfürchtig von 'der Agentur aus dem Ruhrgebiet' spricht.
Am Donnerstag wurde übrigens auch das Programm fürs kommende Quartal vorgestellt und das verspricht wieder sehr interessant zu werden. Am 22.4. geht es weiter mit Felix Scheinberger und dem Thema „Reflektierte Praxis – Illustratoren, Künstler, Architekten öffnen ihre Skizzenbücher“ und am 27.5. sinnieren Holm Friebe und Philipp Albers (ZIA, Berlin) über „Nützliche Zahlen“, die unbemerkt im Bewusstsein wirken.
Fotos: Jennifer Bunzeck
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