
MUSIK: ZOFF UMS DORTMUNDER FZW
- Serie: Ökonomie
Dortmund Rock City? Mit dem neuen FZW hat die Kulturhauptstadt in Dortmund den vielleicht modernsten Liveclub Europas erhalten. Seit Spätsommer 2009 spielten hier schon Bands wie Phoenix, The Whitest Boy Alive, HIM, Alice in Chains, The Hives, The Editors. Eine moderne internationale Rock-Elite also. Wann war die das letzte Mal mit so geballter Kraft in Dortmund vertreten? Verdammt lang her.
Zwar fehlt dem FZW noch ganz viel Zeug zur Legendenbildung: Ein Rockkonzert oder eine Houseparty unter Rauchverbot hat in etwa so viel Sexappeal wie die Eric Clapton-Unplugged-Schleife in der TV-Abteilung von Saturn Hansa. Und ein Longdrink vom AWO-Barkeeper wird nie nach wildem und gefährlichem Leben schmecken.
Doch die Kritik am FZW ist überzogen und borniert. Der Kern des Vorwurfs: Das von der Stadt finanzierte FZW vermietet sich zum Nulltarif an Bands und Veranstalter. Und ruiniert die Preise für die anderen Locations in der Stadt. Das ist ein typisches Konzept zur Markteinführung eines neuen Produkts – und wird plötzlich lauthals gebrandmarkt.
Westfalenhalle vs. FZW
Doch wer mosert? Es sind Örtlichkeiten wie die Westfalenhalle, die in ihrem prestigeträchtigen Oval (Kapazität ca. 13.000 Zuschauer) zwar internationale Topacts spielen lässt, nationale Stars wie Jan Delay aber in die hässliche Halle II bucht, die obendrein katastrophale klangtechnische Werte aufweist. Wenn Westfalenhallen-Sprecher Andreas Weber sagt, dass Veranstaltungen im FZW auch in der Westfalenhalle stattfinden könnten, dann verkennt er völlig die Anforderungen an ein zeitgemäßes Event.
Eine weitaus aufgeklärte Sicht auf die Dinge besitzt der unabhängige „Verein Dortmunder Musikwirtschaft“. Mit einem offenen Brief will man das zarte Pflänzchen, das Dortmund seit einigen Monaten auf der deutschen Konzertlandkarte wieder darstellt, retten. „Das im FZW gebotene Konzertprogramm trägt dazu bei, dass in dieser Stadt höchst attraktive Konzerte und Veranstaltungen von überregionaler Bedeutung stattfinden“, sagt Vorstand Michael Lohrmann, Herausgeber des Magazins Visions: „Das lag in Dortmund über Jahre brach“.
Die Chance für Dortmund: Sich nicht – wie die CDU-Fraktion – darüber aufregen, dass FZW-Plakate illegal auf den DEW21-Stromkästen kleben. Sondern sich darüber freuen, dass in den Musikszenen von Hamburg, Berlin, Amsterdam und London von Dortmund als Rock City geschwärmt wird. Gerade in Zeiten, in denen die Stadt als Schauplatz der peinlichsten Bürgermeisterwahl in Europa Schlagzeilen macht.
(Foto: Sebastian Steinfort / be subjective)
Mehr zum Thema:
5 x 2 Freikarten für neue Partyreihe im FZW zu gewinnen
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um zu einem richig guten
um zu einem richig guten rock-schuppen zu werden, muss das fzw vermutlich noch 20 jahre lang verschmocken und den druck der gegner einer lebendigen kulturszene aushalten...
Heimweh ade Freizeitzentrum
Heimweh ade
Freizeitzentrum West. Zwischen Wohnort Adlerstraße, wo immer die Naziaufmärsche zu verhindern waren und Rothe Erde GmbH. Bohren und der Club of Gore. Das gab es einst an einem Abend zusammen an der Ecke Kuithanstraße/Neuer Graben. Am alten Friedhof dem Westpark vorbei, ganz tief in der Weststadt, hinter der S-Bahn-Trasse. Bei gefühlten 5 Lux Licht. Die Entschleunigung der Musik bis zum sanften Gewitterregensturz. Echter Ruhrpott. Schwüler Hochsommerabend mit Kronen Pils unterm lächelnden U. Den Rest der Nacht dann in der Hafenschänke subrosa, dem Sonnenaufgang entgegen. Das war schön damals!