Montagepuzzle

Ein Interview mit Jean François Rouzé, aufgezeichnet von Marieke Steinhoff.


Du studierst an der Filmschule ECAM in Madrid. Kannst Du uns den Lehrplan dort beschreiben?

In Spanien ist ECAM die beste Wahl, wenn man sich aussuchen kann, wo man Film studieren möchte. Man kann sein Wissen und seine Erfahrungen mit Profis und Filmemachern austauschen und mit ihnen nach dem Unterricht noch diskutieren. Es gibt eine enge Bindung zwischen Studenten und Dozenten in diesen drei Jahren Studium.

Wie würdest Du die Produktionsbedingungen für junge Filmemacher in Spanien beschreiben? Ist es schwierig, Debütfilme zu realisieren? Wie sind da Deine Erfahrungen?

Es ist schwierig für junge Filmemacher in Spanien, aber der Markt hier ist noch sehr jungfräulich, was neue Technologien angeht, und ich glaube, dass junge Filmemacher mit allen Medien arbeiten müssen. Nach meinem Abschluss an der ECAM habe ich zusammen mit Geschäftspartnern "Wake Up Pictures" gegründet, eine Produktionsgesellschaft, die nicht nur auf Film, sondern auf mehreren Medienplattformen arbeitet. Meine Partner und ich versuchen, all unsere Produktionen als mediale Rundumschläge zu gestalten. Unsere Firma produziert inzwischen eine Internetserie, die sich mit Logo- und Product-Placement finanziert; Fernsehprogramme, die durch Web- und Mobilfunkinhalte unterstützt werden; und digitale Werbekampagnen für Marken wie L’Oréal Spanien, Havas Digital usw. Insofern: Ja, ich glaube, dass es schwierig ist, aber wenn man sich nur auf die traditionelle Filmproduktion beschränkt, ist es noch viel schwieriger.

Film als Medium wird ja durch die Bewegung der Bilder charakterisiert. Wie bist Du auf die Idee gekommen, in 5 SEGUNDOS mit diesem Grundprinzip zu experimentieren und den bewegten Bildern Standbilder gegenüberzustellen?

Ich habe ein Buch über neurologische Anomalien gelesen, in dem mehrere Probleme beschrieben werden, die beim Prozess und der Verarbeitung des Sehens auftreten können. Ich wollte darüber eine Geschichte schreiben und mir vorstellen, wie das Leben für einen Menschen mit solchen Problemen aussehen kann, vor allem für ein Kind.

Worauf hast Du Dich bei der Entwicklung des Drehbuchs und des Storyboards konzentriert? Auf die eher intellektuelle Untersuchung bewegter Bilder oder auf Franks persönliche Geschichte?

Während der Arbeiten am Drehbuch hatte ich vor allem Angst, dass die Leute meine Idee nicht verstehen würden und von der Mischung aus Freeze Frames und bewegten Bildern gelangweilt sein würden. Also produzierte ich einen Trailer mit meiner Canon XL1 und einem MacBook. Diese Vorab-Dreharbeiten waren aufregend, aber ich machte mir auch Sorgen und dachte: „Was zum Teufel machst du da?” Aber während des Schnitts auf dem Mac verstand ich, wie ich die Standbilder und die bewegten Bilder miteinander vermischen musste. Und es funktionierte! Heute glaube ich, dass dieser Trailer die bestmögliche Vorbereitung auf die tatsächlichen Dreharbeiten war.

Wie lief die Kamera- und danach die Schnitt-Arbeit an 5 SEGUNDOS?

Nach meinen Erfahrungen beim Dreh des Trailers entschloss ich mich, den Film mit zwei Kameras zu drehen. Eine Sony 2K Professional Digital Cam and eine Canon Photographic Cam. Beide gaben den Bildern eine grandiose Auflösung. Der Schnitt war dann ein wenig wie das Zusammensetzen eines Puzzles – man suchte immer nach der Stelle, wo ein Standbild reinpassen würde. Diese Momente zu suchen war sehr anstrengend, aber auch sehr interessant.

Warum zwei verschiedene Kameras?

Aus einem einfachen Grund: Standbilder aus einem bewegten Film haben nicht die gleiche Qualität wie die Bilder einer photographischen Kamera. Bei den Dreharbeiten filmten wir also erst bewegte Bilder, wiederholten dann die ganze Szene und nahmen Standbilder mit der photographischen Kamera auf, wie eine Subjektive aus Franks Sicht.

Welche Reaktionen gab es bisher auf den Film und wo wurde er schon gezeigt?

Nun ja, die Leute verstanden das Prinzip der Geschichte bereits nach fünf Sekunden… Das war das wichtigste für mich. Ich bin außerdem sehr stolz darauf, dass der Film bereits auf Festivals in über 20 Ländern lief, was ein Zeichen dafür ist, dass die Leute die Figur Frank und seine neurologischen Probleme interessant finden. Das macht mich sehr glücklich.

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So, 22.08.2010 0

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29.01.2010

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