
Mein schlechter Film – Erzählung in 10 Teilen – Teil I
Ich schlage durch den Boden, rausche durch einen Tunnel, der Tunnel hebt sich, wird zu einer Geraden, eine Zielgerade. Ich sehe ein Licht- es erscheint langsam- mein Flug beschleunigt sich wieder, ich rase, ich rausche, mein Herz schlägt zu laut und bevor ich den rettenden Ausgang erreiche, platze ich, blutig.
Wir folgen dem Blut mit den Augen, wie es die moosbedeckten Tunnelwände entlangrinnt. Die Pflastersteine der Tunnelwand sind verzerrte Gesichter, gemalt, in altmeisterlichem Stil.
Die Farbgebung changiert, passt sich dem Dekor der Steine an. Alles wird gold, rot, schwarz. Wir sitzen in einem Raum mit einer Menge sich räuspernden Leichen. Sie räuspern sich sekundenlang, doch jedes Räuspern ist ein Jahr Tragik.
„Wem wollten sie das Glas wegnehmen, Verehrtester?“ Eines der Skelette erhebt sich, verwandelt sich in einen junge Frau, ein Mädchen, schrumpft zu einem Baby zusammen, dem die schwarzwerdenden Augen ausfallen.
Zu triumphaler Musik betritt eine große, in fülligem Gewand gekleidete Dame den Raum. Die Leichen haben ihr Fleisch abgelegt und essen es, woraufhin es auf den Boden fällt und über die Stühle rinnt, was wir nicht sehen können.
„Dies ist ein politischer Anlass“, sagt die großgewachsene Diva und alles erstarrt, geräusch- und bewegungslos, doch ihre Stimme klingt fort, wir sehen nur ihr schwarzes Haar, wallend, reflektiert es das flackernde Kerzenlicht .
„Dieser Raum ist eine Allegorie! Das ist untragbar! Wir wollen eine Wirklichkeit, die unser gebührt!“, deklamiert sie mit fester, thetraler und tiefer Stimme.
---ende 1ter Teil---
Di, 09.02.2010
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