"Lieber eine Kunsthauptstadt!" Ein Interview mit Thomas Klaus
- Serie: Kunst
Herr Klaus, Sie sind ein bunter Hund im Kunstgeschäft, dennoch findet sich im Internet kaum etwas über Sie? Wie kommt das...
Manche benutzen meinen Namen, es gibt eine Seite thomasklauspromotions, da werden irgendwelche Bands präsentiert damit kenn ich mich nicht aus. Ich verwende meinen Namen nicht, höchstwahrscheinlich wird dieses Interview der einizige Treffer.
Sie hatten auch mal in der jetzigen Kulturhauptstadt ihre Finger im Spiel?
Das war 2001. Ich war auf der Durchreise, kam aus Kroatien und wollte eigentlich von Wien nach Paris fliegen, als ich in Düsseldorf landete und da natürlich schnell weg musste.
Wieso?
Düsseldorf liegt mir nicht so. Ich hatte noch Freunde in Essen-Frohnhausen, da hab ich für ein paar junge Leute ein gutes Wort eingelegt, damit sie ein leerstehendes Ladenlokal bespielen durften.
Bespielen ist gut- in der Presse stand damals: Ein Schandfleck für Frohnhausen?
Damit war die Außenfassade gemeint. Wir hatten damals die Außenwände mit Graffiti, heute sagt man wohl Street-Art bemalt. Die Eigentümer wollten das weg haben, da haben wir es mit einer Schicht Weiß überstrichen. Das sah dann dementsprechend scheiße aus. Ich mag sowas.
Sie sagen ,wir‘? Sind Sie länger in Essen geblieben?
Ein paar Wochen.
Jetzt sind Sie zurück in der Kulturhauptstadt- aber weg von der Kultur, was sagen Sie zur Kunst?
Tendenziöse Frage. Aber versuchen wir es mal. Diese Begriffe Kunst und Kultur in einen Topf zu werfen, bzw. auch nur nebeneinander zu stellen, empfinde ich als höchstproblematisch. Dass das nicht dasselbe ist, haben die Macher vor Ort sicher auch schon gemerkt, aber dennoch versucht man da irgendwas einander allerhöchstens symbiotisch verwandtes unter einem Claim zu subsumieren. Mir gefällt das nicht.
Was ist denn Kunst für Sie?
Vielleicht eine religiöse Praxis. Ich weiß nicht. Ich bin gestern an der Essener Uni spazieren gegangen. Da hatten junge Leute eine Unterführung plakatiert. Auf einen Bild stand: „Tod dem Künstler, es lebe die Kunst“ oder so ähnlich. Das findet sich auch bei Meese, wobei das einzige, was ich an ihm mag sein bescheuerter Auftritt ist...
Er sollte mit Helge Schneider auftreten!
Wer weiß...jedenfalls ist Kunst ein Akt des Gebens, es ist ein Reinhauen in den Tauschprozess. Kultur entsteht aus Kunst. Doch das wird hier vergessen. Hier wird versucht ohne Kunst zu fördern, aus kümmerlicher Kultur eine Kreativwirtschaft zusammen zu stampfen. Das soll keine Kritik an der Kulturhauptstadt sein. Es wäre ja blödsinnig zu behaupten, die würde irgendwas schlimmer machen. Ich hätte dennoch lieber eine Kunsthauptstadt.
Zum Abschluss, was sind Ihre nächsten Projekte?
Ich habe ja das Glück vom Erbe zu leben. Ich muss deswegen nichts nehmen. Ich geb nur. Zum Beispiel ein Interview.
Danke dafür.

Fortune favours humans? von Gigo Propaganda
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