Katzen auf der Pirsch

Sonntag, 01.08.2010

Die Aktivitäten der Aktionen „Emscherpark“ sind vielfältig. Man kann zum Beispiel an organisierten Picknicks teilnehmen. Ich besuche am frühen Nachmittag das Picknick um die Jahrhunderthalle in Bochum. Wieder mal: Kein einziges Hinweisschild, habe dann einen ungewollten Spaziergang durch das neue Parkgelände gemacht. Naja, schön. Ich höre jemanden in ein Mikro sprechen und folge diesen Tönen und unter mir tut sich das Picknickfeld auf.

Picknickentertainment

Doch etwas 200 Leute liegen auf mitgebrachten Decken, essen lecker Kuchen oder öffnen Tupas. Vier ältere Ladies packen ihre Bütterken aus. Einige spielen irgendwas und natürlich die Jongleure, die unvermeidbaren. Ein Infostand zum Emscherpark, eine Ess- und Trinkzeile mit natürlich Brat- und Currywurst. Falls mal ein Veranstalter auf Würste verzichtet, wird er wahrscheinlich gelyncht, so gehört diese Schweinemasse schon dazu. Tatsächlich esse ich eine – wie fremdgesteuert. Gab jetzt noch etwas Nachgeschmack. Und der Mann mit seiner Gitarre versucht unentwegt, die Menschen dazu zu bringen, irgendwelche Zeilen mitzusingen, ein sinnloses Unterfangen. Er labert und macht ziemlich doofe Witze, dann spielt er Sound of Silence. Für solche Gigs braucht man stoisches Vermögen. An einem dicken rostigen Rohr sitzen Familien und picknicken. Hat was.

Nordmarkt am Sonntag

In dem Café auf dem Dortmunder Nordmarkt mit dem Namen „Fink“ gibt es diverse Frühstücke, die am Nachmittag noch großen Absatz finden. Ich begnüge mich mit einem Cappucco. Beim Bestellen brauche ich keinen Text mehr. Kaum sitze ich, steht die Tasse auf dem Tisch. Rundherum ist eben Dortmunder Nordstadt und die sozialen Netzwerke sitzen beieinander. Ein Mädchen, chic komplett in rosa, steht vor mir und hält die Hand auf. Nebenan fragt jemand, ob sie Zigeunerin sei. Mit leeren Händen geht sie zurück zum Spielplatz. Später sehe ich sie mit ihrer Mutter in einem Hauseingang verschwinden.

Immowelt

Ich gebe eine Anzeige auf bei Zwischenmiete.de Habe mein Gästezimmer bis Ende des Jahres frei, bin jung und brauche das Geld. Zudem hat sich die WG ober mir aufgelöst. Es sind nur zwei Parteien in dem Haus. Und man könnte es sich kuschelig machen. Suche also dringend Mitmieter in diesem schönen Haus. Da ich niemanden kenne, der was sucht, inseriere ich auch dies – mit dem Zusatz „weites Kunstumfeld“ wäre schön. Mein Vermieter meinte, ich solle mal zuerst Vorschläge machen, bin also ein guter Mieter.
Die zwei Frauen von oben, die ich selten sah, klingeln. Es sei was in ihrem Keller, was möglicherweise zu mir gehöre. Tatsächlich rede ich mit denen zum ersten Mal mehr als drei Sätze. Es sind große Säcke mit Kostümen und ein runder Tisch. Ja, die stopfe ich zu den anderen Sachen in meinen Keller, dem eigentlichen Archiv, dem Vergangenheitszentrum.

Verpasstes

Wieder eine Menge verpasst, z.B. die verfilmte Lesung der Apokalypse mit Kindern, initiiert von Herbert Fritsch in Oberhausen. „Schlaflos in Oberhauen“ mit der Apokalypse beginnen zu lassen, ist richtig cool, aber leider verpasst, sowie die dortigen Figurenstücke im Theater. Vielleicht verpasst habe ich auch die verfilmte Inszenierung von Rimini-Protokoll im Zuge der Promethiade auf Zollverein. Vielleicht. Inzwischen sind mir diese berühmten Namen schon fast ein Gräuel. Verpasst habe ich vor allem, den nahen Bekanntenkreis zu vergrößern. Ist aber schon ein längerer Fall. Alles ist verstreut.

Katzennasch

Und dann war da noch die Nachtkatze, die sich über den Rest meiner Spaghetti tonno hergemacht hat. Heute Morgen finde ich den Teller, leergeputzt. Und fast glaube ich, die Katze hätte sich mit der Serviette noch das Schnäuzchen abgewischt. Freunde durch Futter. Geht auch.

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Mo, 02.08.2010 0

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03.03.2010

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