Ist der taumelnde Tintenfisch Kunst oder Kultur?

Also lustwandete ich die Straße der Kulturhaupststädte entlang, taumelte über die Steine und legte an jedes Eck einen 10 Euro Schein – Kultur muss ja auch bezahlt werden.
Ich subventionierte was das Zeug hielt: jeder ins Kissen gelehnten Omma, jedem Postboten drückte ich freundlich den Zehner in die Hand. Das ist Kultur.

Ich musste leider beinahe 12€ Eintritt zahlen, um meine Straßen zu betreten. Die grauen Häuser, die karg bepflanzten Vorgärten, waren es schon wert, doch ich bekam Ermäßigung: 10 statt 12 Euro, denn ich war arbeitslos. Doch, wie war es anders zu erwarten, vor meiner Tür hatte ich die 10€ bereits wieder drin, da ich ja auch ein Stück Ruhrgebietskultur war und auch mir die Zehner zugeworfen wurden und so schleuderte ich meine Kühlschranktür zu, dass es klapperte und schaute vier Stunden Fernsehen.

Katastrophal gelangweilt schlug ich die Zeitung zu und verließ die Toilette. Ich solle mich beim Amt melden, meinte der Chef davon und ein paar Scheinbewerbungen zur Haftverlängerung schreiben. Ich trottete hinaus und legte mich auf den Kopfstein und johlte. Dies brachte mir einige Zehner, die ich umgehend re-investierte: in einen Opernbesuch. Das muss wohl Kunst sein oder war das auch Kultur? Von hier war das nicht? Es war alt? Ich kombinierte. Herumliegende Broschüren gaben mir keinerei Auskunft und ich schlief ein.

Ich erträumte die heilige Vermählung von Kunst und Kultur:
Wenn Kunst Kultur wäre, wären alle Kunstmachend, also rein ästhetisch tätig, also ohne Frage nach dem Nutzen, denn wenn es einen gibt, fragt keiner nach und wenn einer fragt, dann steht die offensichtliche Nutzlosigkeit dieser Sache außer Frage.

Rein ästhetisch tätig: mir kamen Tintenfische in den Sinn sich suhlend auf Papier und Drachen mit charmanten Geweihen, gewöhnungsbedürftige Schränke, wiederaufbereitete Tatütatas und Wegzehrung mit Kobolden. Dies fröhlich Narrenspiel und einiges und so trockenes wie...

Jäh erwachte ich aus meinen Träumen und umarmte meine Frau, meinen Hund, mein Haus, meinen Garten, meine Ecke und meine gar nicht gut versteckte Leidenschaft für Risse...

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Mi, 07.07.2010 1

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03.12.2009

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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