Gedanken zur Freiheit in der Kunst - ein Paar Widersprüche

Kunst soll sich verkaufen, ist ein Produkt - zumindest aus einer Perspektive. Bilder sind Gegenstände, da fällt das Verkaufen nicht schwer, vielleicht sollten Bilder ausschließlich projeziert werden - ach - dem Gegenstand ist nicht zu entkommen. Das Bild hat Materialität, unleugbar. Jetzt sollte nur nichts mit Belang darauf sein. Am besten, es passt zur Wand oder es lässt sich damit spekulieren. Musik ist hier auch Kunst. Sie bleibt prinzipiell immateriell und deswegen muss Mensch teils große Geldbeträge aufbringen, um sich ihr, während sie gespielt wird, zu nähern. Schöpfungen sind konsumierbar, das ist ein möglicher Zugriff und somit immer Teil des Spiels. Worauf will ich hinaus? Selbstverständlich auf das: Dagegen! Nicht Teil des verkaufbaren Ensembles zu sein, kann ja gerade zum einzigen Selbstverständnis eines selbstbewussten Kunstschaffenden zählen.

Aufmerksamkeit und Verkaufbarkeit lassen sich jedoch nicht trennen. Wenn Ich meine Kunst vielen Menschen näher bringen will, dann muss sie auch verbreitet werden. Ich kann mich natürlich, hätte ich reich geerbt, dem Verkaufen entziehen und trotzdem Kunst machen und verschenken bis zum Abwinken, aber den Kaufpreis auf Null zu reduzieren, ändert nichts an der Verkaufbarkeit. Auch dieser Gedanke eine Sackgasse?

Wir wollen doch die Konsumwelt kritisieren, die Gedankenlosigkeit, den Faschismus...wenn sich meine Kunst erst einmal gut verkauft (ich habe nämlich nicht reich geerbt und mit Kunst prinzipiell kein Geld verdienen zu wollen ist angesichts der vielen Arbeit, die sie macht, sehr reflektionswürdig) sind meine Weltverbesserungs-Idealismen prinzipiell zerschlagen. Von wegen!

Die Möglichkeiten sich zu positionieren sind vielfältig und sich unbeliebt zu machen gar nicht so schwer...Erwartungshaltungen zu durchkreuzen und sich erschlichener Popularität zu verweigern (mehr Werbung, als Kunst!), macht einem den Weg schon schwierig genug.
Schon mal versucht, auf einem Rap-Konzert eine Rede gegen Homophobie zu halten, oder bei jeder Gelegenheit auf politische Missstände hinzuweisen?

Die Lösung: Künstler sind, wie alle anderen auch, nicht nur Schöpfer, sondern auch soziale Wesen und, im Falle des Erfolgs, Menschen, die große Aufmerksamkeit genießen. Diese Aufmerksamkeit beständig in eine soziale Entwicklung zu überführen, das Interesse des Publikums mit Aussagen statt mit Verschleierungen zu füllen, führt die Wirklichkeit des Schaffenden erst vor Augen: seine Ideale sind Bedingungen seines Schaffens und somit Teil davon.

Wenn es nicht gelingt, soziale Inhalte in die Kunst wirksam zu überführen (und das ist für ästhetische Arbeit beinahe hinderlich), dann kann das ständige Artikulieren sozialer Wünsche den nötigen Zugzwang schaffen, das Schaffen, die eigene Kunst, sozial zu reflektieren und zu verfeinern- in Bezug auf Wirksamkeit und Ästhetik zugleich.

Über die Position des Kunstschaffenden in seinen organisatorischen Rahmen ist reichlich Reflektion nötig - beziehungsweise wer braucht mehr Applaus, als Ideale?

Do, 10.12.2009 0

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03.12.2009

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