
Künstlergruppe Freiraum2010 - Nach der Hausbesetzung werden die Verhandlungen vorbereitet
- Serie: Kunst
Der Protest ist fürs erste vorbei. Die Künstlergruppe Freiraum2010 verließ am Dienstagnachmittag das von ihnen besetzte DGB-Haus in der Essener Innenstadt. In einer offiziellen Erklärung fordern die Künstler den Beginn der versprochenen Verhandlungen. "Wenn ihr rausgeht, kann verhandelt werden", soll laut Freiraum2010 die Ansage der Vermögens- und Treuhandgesellschaft des DGB gewesen sein. Als Hauptproblem wird der Brandschutz angeführt. Heute trat der Eigentümer des Gebäudes auf der Schützenbahn mit der Gruppe in Kontakt.Brandschutzbestimmungen neu prüfen
Die Künstlerinnen und Künstler wollen jetzt in Verhandlungen mit dem Eigentümer treten. Sie haben den Forderungen Folge geleistet und das Haus verlassen. „Man hat uns angeboten, dass die Anzeige zurückgezogen wird und wir verhandeln können. Das nehmen wir natürlich beim Wort“, sagt Joscha Hendricksen, der Pressesprecher von Freiraum2010.
Jetzt sollen die Brandschutzbestimmungen neu geprüft werden, derweil wird verhandelt. „Vielleicht lässt sich der Teil des Gebäudes, den wir besetzt hatten, zurückbekommen“, hofft Hendricksen. Denn aktuell hat die Künstlergruppe keinen Raum. „Unsere Hauptforderung besteht darin, dass wir den Teil des Gebäudes zurück bekommen, den wir besetzt hielten“, erklärt Hendricksen, dem vor allen Dingen die Koordination der Gruppe am Herzen liegt.Bis es zu einer endgültigen Klärung kommt, werden Freiraum2010 jeden Mittwoch vor dem DGB-Gebäude ab 18 Uhr durch Kunst-Aktionen ihren Protest weiter ausdrücken. In das Haus kehren sie vorerst nicht zurück. Wie es weitergeht, bleibt ungewiss.



Künstlergruppe gibt nach drei Tagen die Hausbesetzung auf
Ein „Haus der künstlerischen Arbeit“ errichten. Das ist das Ziel der Künstlergruppe Freiraum2010, die am Sonntag das leerstehende DGB-Haus in der Essener Innenstadt besetzt hatte. Laut eigener Aussage hatten die Künstler im Vorfeld zahlreiche Anträge gestellt, auch auf das DGB-Haus – ohne Erfolg. Die Forderung nach freien Räumen wurde lauter. Um ihr letztendlich Nachdruck zu verschaffen, entstand die risikoreiche Idee der Besetzung. „Wir sind keine Besetzer, wir sind Künstler!“
Während die meisten Menschen im Ruhrgebiet mit dem Stillleben auf der A40 beschäftigt waren, bereiteten die Künstlerinnen und Künstler ihre Ausstellung in dem besetzten Gebäude in der Schützenbahn vor. Ateliers wurden eingerichtet und Musik aufgelegt. Dass hier ihre Kunst und ihr Potenzial zu sehen sein würden, das wusste die Gruppe. Wie die nächsten Tage weiter verlaufen sollten, das wussten sie nicht.
Drei Tage vergingen und die Lage änderte sich. Das Haus musste Dienstag bis 18 Uhr komplett geräumt sein. Der Eigentümer hatte per Anwalt die Räumung des Gebäudes eingefordert. Zu Verhandlungen war er laut Joscha Hendricksen nicht bereit. Dienstagmittag gab es eine offizielle Pressekonferenz, doch bevor alle das Gebäude verlassen sollten, fand ein Plenum mit den rund 30 Anwesenden statt. Joscha Hendricksen erklärt: „Wir sind keine Besetzer, wir sind Künstler!“. Einer der Anwesenden merkt an: „Hier sieht aber nichts mehr nach Atelier aus.“ Das stimmt. Am Montag blühte in dem Gebäude noch eine lebendige Kultur- und Kunstszene, drei Tage später ist es leer, die einsamen Büroräume reihen sich wieder trist über mehrere Etagen aneinander.
„Wir hatten Angst“
Es ging alles sehr schnell. Bereits Montagnachmittag fordete die Polizei, das Gebäude zu verlassen und nahm die Personalien mehrerer Beteiligter auf. Die Sorge vor Strafanzeigen war unter den Künstlern groß. „Wir hatten Angst“, berichtet Hendricksen. Angst, um die Bilder, Angst um die eigene Person. Aber auch, dass sich die Gruppe unter dem Druck von außen spalten könnte.
Der Angst wollen sie nicht weichen, das wurde in dem Plenum deutlich. Nach wie vor wollen sie, dass ihre Forderung gehört wird, aufgeben kommt für sie nicht in Frage. Die Hoffnung ist fürs erste verflogen, das Haus ist geräumt. Doch der Protest geht weiter. Zumindest erstmal jeden Mittwoch vor dem DGB-Gebäude.

Fotos: René Bogdanski
- Öffentliche Erklärung zum Verlauf der Besetzung des DGB- Gebäudes durch die Initiative Freiraum2010
- Erst besetzt, dann geräumt - Künstlergruppe und Eigentümer wollen verhandeln
- freiraum2010: Besetzen statt Anträge stellen
- DGB-Haus-Besetzung - erster Tag gut überstanden!
- Freiraum 2010 eröffnet - Haus besetzt
Do, 22.07.2010
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@ Sven
Ich hatte deinen Hinweis auf das t.a.i.b. im Kontext des Begriffs "Freiraum" verortet. Dieser Begriff lässt sich selbstredend mit variablen Inhalten füllen. Dennoch bleibe ich dabei, dass auch eine Vermittlerrolle in Sachen t.a.i.b. eine andere ist, als sie es in Sachen Freiraum2010 wäre.
Ich sagte bereits mehrfach, dass ich das Projekt t.a.i.b. begrüße. Sonst hätte ich auch nicht zwei Beiträge im LAB dazu verfasst.
Aber es gibt genug freie/leerstehende Räume in Bochum, die nicht als Freiräume zur Verfügung gestellt werden. In diesem Sinne bedurte es keines Zeltes.
Das taib ist aus meiner Sicht ein feines Marketing-Projekt für Stadt und Grundbesitzer, aber kein "Freiraum", wie ich ihn persönlich definiere.
aber bitte,
herr blatt - ich habe doch keineswegs taib und freiraum2010 miteinander verglichen. ich sagte nur im taib seien ansätze erkennbar, dass die ruhr 2010 eine vermittlerrolle bei solchen fragen einnehmen könnte. wenn sie wollte. bei der pressekonferenz wurde zumindest ganz klar gesagt, dass man an einem offenen tisch darüber verhandeln möchte, was mit dem gelände nach dem taib geschehen soll. (was daraus wird, ist natürlich eine andere frage.)
die aktion vom freiraum hat natürlich eine ganz andere qualität und ich freue mich über die debatte, die entstanden ist und in die sich mittlerweile sogar stimmen aus hamburg mischen ...
p.s.: großes lob an den admin, dass das kommentar-problem behoben wurde! ;)
herrje
Das t.a.i.b. mit der Aktion in Essen zu vergleichen, hinkt noch mehr, als der Link zum Unperfekthaus.
Der Ansatz des taib ist ja für sich schön und gut. Von mir aus ein positives Projekt. Aber letztlich ist es den beteiligten Künstlern doch maximal eine zeitlich befristete Möglichkeit der öffentlichen Darbietung und Inspirationsquelle. Vielmehr dient es Leo Bauer zur legitimen Bewerbung seines Geländes und der UniverCity zur Vorstellung nutzloser Bauideen.
Pardon, hier sollte es ja eigentlich um Freiraum2010 gehen... Wie viele andere warte ich gespannt auf eine offizielle Stellungnahme der RUHR.2010-Chefetage. Die Basis hat ja bereits ganz klar Stellung bezogen.
Es wird zu Verhandlungen kommen
Der Artikel wurde aktualisiert. Inzwischen sind beide Seiten verhandlungsbereit.
Neugierig
@Sven Halen: Da bin ich jetzt aber neugierig...
ich habe übrigens eben noch mal mit Joscha Hendricksen gesprochen. Aktuell kann er leider nicht viel sagen, heute Abend sollen aber weitere Informationen kommen.
ich habe an anderer stelle
ich habe an anderer stelle schon meinen respekt und meine solidarität mit der gruppe bekundet und tue es hier noch mal.
ich glaub solche aktionen sind nötig im ruhrgebiet, um überhaupt erstmal ein bewusstsein zu schaffen und den dikurs über die raumfrage anzuregen. außerdem glaube ich, dass es nicht schaden kann, wenn die szene im pott mal ein bisschen forscher wird. freiräume kriegt man nicht geschenkt, man muss sie den verhinderern abringen. die ruhr 2010 sollte meiner meinung nach ihr gewicht einsetzen, um zwischen den verwaltungen und den künstlern zu vermitteln und den dialog konstruktiv voranzutreiben. das wäre mal ein ehrliches bemühen um nachhaltigkeit und sinnvolle weichenstellung im ruhrpott. ansätze davon lassen sich übrigens im t.a.i.b.-projekt erkennen - bleibt zu hoffen, dass dieser startpunkt genutzt wird.
ich darf übrigens schonmal ankündigen, dass ich in kürze ein sehr interessantes feature zu diesem thema machen werde, das mal eine ganz andere perspektive ermöglicht. ich kann noch nicht zu viel verraten, checkt einfach meine beiträge ... ;)
Besitz bedeutet Verantwortung
Wer ein Gebäude mitten in der Innenstadt besitzt, hat meiner Meinung nach auch eine Verantwortung dafür, dass in der Bude irgendwas läuft. Der DGB (der dem Wert der sozialen Verantwirtung ja eigentlich aufgeschlossen gegenüberstehen sollte) hat Glück, dass sich die Künstler ohne sein zutun dieser Immobilienleiche angenommen haben und einen frischen, kreativen Wind durch die City strömen lassen, der diese Geisterstadt mit ihren 1-Euro-Shops im Dauer-Räumungsverkauf zumindest punktuell wiederbelebt. Wenn der DGB die Künstler ohne jede Form von DIalogversuch vor die Tür setzt, dann soll er sich zumindest mal überlegen, was denn alternativ in diese trüben Mauern einziehen könnte. Ansonsten sollte die Stadt Schadensersatz fordern, weil diese vielen Leerstände die Atrraktivität und damit den (Lebens-) Wert der Stadt erheblich schmälern.
Es soll zu Verhandlungen kommen
http://www.freiraum2010.de/ hier ist zu lesen, dass es zu Verhandlungen kommen soll.
Hast du etwas auszusetzen, solltest du ein Haus besetzen!
Also meinen Respekt haben die beteiligten Künstler für diese Aktion. Wenn sich die Kulturhauptstadt "Kultur durch Wandel, Wandel durch Kultur" auf die Fahnen schreibt, dann sollte dieser Hilfeschrei derjenigen die Realküntlerische Werte schaffen, sich Veränderungen wünschen und bereit sind Veränderungen mitzugestalten, erhört werden. Wenn ich die Forderung richtig verstehe, bitten sie doch einzig allein um (Frei)-Raum für ihre Inhalte. Eigentlich können doch gerade Eigentümer von Künstlern profitieren. Wenn das Gebäude sowieso derzeit nicht genutz wird, müsste man doch dankbar dafür sein, dass jemand die Fläche bespielt, belebt. Denkbar wäre sogar, dass man dies gezielt nutzt um Wohnflächen an neue Vermieter zu vermitteln. Man engagiert Künstler, die leerstehende Wohnflächen- Räume bespielen und lädt dann potenzielle neue Mieter zu diesen Veranstaltungen ein. So bekommen diese ein ganz anderes Bild von ihrem möglichen neuen zu Hause oder Arbeitsraum. Warum dann erst einmal wieder die Rechtsabteilung pro forma ihren Anwalt einschaltet ohne sich überhaupt mit den Anliegen richtig auseinanderzusetzen kann ich wahrlich nicht verstehen und zeugt von Kleingeistigen Verantwortlichen. Die jetzt passierte friedliche Konfrontationsfreie Räumung ist kein Weg der Schwäche, sondern einer der moralischen Überlegenheit. Ich hoffe, dass weitere Aktionen folgen. Gegen bürokratische Ignoranz. Für künstlerische Werte und visionäres Engagement.
Empfehlung...
...zum weiteren Verständnis. Nach der Räumung sprachen wir mit dem Sprecher der Gruppe. http://www.2010lab.tv/podcast/freiraum2010-nach-der-r%C3%A4umung-joscha-...
Vielleicht wird so klarer, was die Gruppe fordert. Mitleid mit Sicherheit nicht...das war auch nicht meine Intention beim Schreiben.
Anja Distelrath