
Deutschlands härtester Nonstoplauf: Tortour de Ruhr
Autofahren kann eine Qual sein. Vor allem an verlängerten Wochenenden wie Pfingsten können Strecken wie die von Duisburg nach Winterberg im Sauerland richtig nerven, wenn sie mal wieder total überfüllt sind. Okay, man könnte auch laufen, dann bräuchte man nicht im Stau stehen. Aber es gibt nur sehr wenige Läuferinnen und Läufer in Deutschland, die dazu in der Lage sind. Und genau diese wenigen werden die Mammutstrecke zu Pfingsten tatsächlich unter ihre Füße nehmen: Tortour de Ruhr lautet ihr Vorhaben, und es könnte kaum treffender formuliert sein.
Es geht von Winterberg entlang des 230 Kilometer langen Ruhrtalradwegs bis na
ch Duisburg. Nonstop. Start des Laufes ist um 8 Uhr an der Ruhrquelle in Winterberg. 40 Stunden haben die Läuferinnen und Läufer Zeit, ins Ziel am Rheinorange zu kommen. Die schnellsten werden das ungefähr nach 33 Stunden geschafft haben. Bei der letzten Austragung 2008, wo in umgekehrter Richtung gelaufen wurde, gewann mit Elke Streicher eine der wenigen Frauen im Feld. Sie benötige 33 Stunden und 42 Minuten für die Strecke. Streicher finishte in 2009 nicht nur den Transeurope Footrace (4500 km in 64 Tagen von Bari bis ans Nordkap) sondern wurde sogar Gesamtzweite. Mit den Maßstaben des klassischen Laufsports sind diese Leistungen kaum zu messen. Streichers Bestzeit über Halbmarathon liegt gerade mal bei 1:38 Stunden, beim Marathon hat sie eine 3:21 Stunden stehen. Ihre Bestzeit über 100 Kilometer mit 8:51 deutet dagegen schon ihr Potential auf der Langstrecke an. Denn die normale Umrechnung für die 100 Kilometer lautet Marathonbestzeit mal drei minus der Zeit unter drei Stunden. Streicher wird 2010 nicht dabei sein, dafür aber viele andere Athleten, die schon alle großen Laufabenteuer dieser Welt bestritten haben. Angela Ngamkam zum Beispiel, die unter anderen schon beim Ultramarathon de Sables antrat, einen Mehrtageslauf durch die Sahara und sogar den härtesten und legendärsten Ultralauf der Welt finishte, den Badwater Ultra Marathon. Die Tortour de Ruhr gilt als Generalprobe einiger deutscher Teilnehmer am Badwater Run, bei dem es hinsichtlich Temperaturen und Höhenmetern natürlich noch ganz anders zur Sache geht.

Die Veranstaltung ist ein Einladungsrennen, denn Organisator der Tour de Ruhr Jens Vieler aus Hagen, selbst versierter Ultramarathonläufer, will nur Leute am Start haben, von denen er weiß, dass sie einschätzen können, was sie sich da antun. Jeder Teilnehmer muss sein eigenes Versorgungsteam mitbringen und auch sonst alles, was nötig ist, um Tag und Nacht durchzulaufen. Lediglich das Kartenmaterial wird gestellt. "Irgendein komisches Regelwerk praxisfremder Bürokraten gibt es nicht. Teilnehmer können selbstverständlich Musik, Hunde, Babyjogger, Stöcke, Steigeisen, Fremdenführer und sonstige Clowns Tag und Nacht mit auf die Strecke nehmen. Verboten ist nur, Müll in die Gegend zu werfen und die Wegstrecke abzukürzen", erläutert Vieler. Der trotz, oder besser: wegen der Härte der Herausforderungen auch den Spaß an der Sache nicht aus dem Blickfeld verlieren will und den Startern folgendes mit auf den Weg gibt: "Regelauslegungen werden individuell und völlig willkürlich vom Veranstalter getroffen. Du bist ihm total ausgeliefert, also reiß dich am Riemen! Helfer oder Veranstalter anmaulen führt übrigens zur Disqualifikation."
Jens Vieler wird mit Unterstützung seiner Familie von Samstagfrüh bis Sonntagabend nonstop auf und am Rande der Strecke für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Denn neben den Startern über 230 Kilometer werden auch noch Läufer über die 100-Meilen-Distanz (160 km, Start: Sa. 22.5. 18 Uhr, Freizeitbad Nass, Arnsberg) und 100 Kilometer (Bambinilauf, Start, Sonntag 6 Uhr, Hengsteysee) auf die Strecke entlang der Ruhr geschickt. Durch die zeitversetzten Starts dürften alle Läufer zu einer grob ähnlichen Zeit in Duisburg eintreffen.
Bei den Ultraläufern ist die Tour de Ruhr übrigens hoch im Kurs, weil sie landschaftlich durchaus reizvoll und eine gute Versorgung und Betreuung möglich ist. Um die Teilnehmer an dieser Ultratortour entsprechend zu würdigen, hier die Liste aller Starterinnen und Starter über die Langdistanz von 230 Kilometern:
Frauen: Sarah Hreczkun, Angela Ngamkam, Susanne Alexi, Elke Dörnfeld
Männer: Tom Wolter-Roessler, Jörg (Yogi) Schranz, Peter Ludden, Ralph Dietz, Mattin (Rothaar) Becker, Torsten Riemer, Markus Flick, Wolfgang Olbrisch, Tom Kuschel, Michael Hechler, Frank Oesterheld, Hajo Palm, Peter (Pete) Haarmann, Uwe Kiehn, Hauke König, Harald Ehlers, Thomas Eller, Peter Neumann, Roland Riedel, Peter Jansen, Günther Bruhn, Martin Raulf, Jörg Eberling, Horst Jasperneite, Dirk Vinzelberg, Ralf Ruppert, Heinz Jäckel, Thomas Strohmeyer, Mark Becker, Hupsi Przybyllok, Martin Büchter, Thomas Eberhardt.
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