100 Aspekte zu zu René Polleschs „Der Perfekte Tag“ (1-12)

1. Einleiten

Was bleibt übrig, wenn mensch die erkenntnistheoretischen Spiralen so lange durchrauscht hat, dass er bewusst geworden ist... ja, was denn nun?
Es geht hier um ein Theaterstück „Der Perfekte Tag“! Inszeniert von René Pollesch als dritten Teil seiner Ruhrtrilogie. Dazu 100 Aspekte.

2. Sich ein Bild machen

Vielleicht erst mal ein filmischer Blick in die Kulisse:
Eine Probe mit René Pollesch

3. Eine schriftliche Darstellung des Stückes lesen

Ein paar Kritiken bei Nachtkritik.de
Und noch eine über die Berliner Aufführung bei kulturradio.de

4. Wissen was  „Repräsentationskritik“ meint

„Wer, wann und wo etwas sagt, schreibt oder abbildet, ist entscheidend dafür, wie das Gesagte, Geschriebene und Abgebildete gelesen wird. Mit diesem Zusammenhang befasst sich die Repräsentationskritik. Repräsentation ist nie ein neutraler Vorgang von Darstellung, Vorstellung, Abbildung oder Wiedergabe, sondern immer in Herrschaftsverhältnisse verstrickt. Sie bringt diese zum Ausdruck, reproduziert sie oder kämpft - bestenfalls - dagegen an.“
Die Redaktion von Graswurzel.net

5. Hypothese aufstellen, Frage formulieren, einfach mal antworten

Wenn jemand (zum Beispiel Pollesch) durch seine Beschäftigung mit erkenntnistheoretischen Fragestellungen erkannt hat,
- dass jede nicht als Lüge erkennbare Lüge zum Aufbau von Machtstrukturen führt;
- dass der Mensch, indem er die Wirklichkeit in Repräsentationen strukturiert, diese überhaupt nicht mehr sieht;

Warum macht er dann überhaupt ein Theaterstück, das dies zum Thema hat?
Pollesch will vielleicht die Ergebnisse seine Philosophie dem Publikum mitteilen.

6. Allgemein daherreden, ein Bild finden und die ,Logik‘ allgemein abwerten

Die Überlegungen sind stets kreisförmig: schließen sich ein und wieder aus. Der eigentliche Text ist nichts, ein Nichts. Entweder werden Gemeinplätze wiederholt oder die Möglichkeit von Erkennen durch Worte abgestritten. Die Repräsentation, die Darstellung der Welt durch Worte/Zeichen, im eigenen Denken fasziniert durch seine Logik. Diese Logik, die vielleicht mehr der Pinselführung eines Malers gleicht, der ohne Farben ein weißes Bild malt, im Wissen, dass dieses Bild nichts darstellen kann.
Doch niemand will ihm dabei zusehen. Vielleicht ist die Logik schlicht zu trivial um zu begeistern. Etwas schlüssig herbei zu denken kann bei der Einführung von zahlreichen Variablen höchst kompliziert sein, bleibt jedoch stets binär.

7. Noch eine Hypothese aufstellen, mal was aus dem Stück zitieren, nachfragen

Wenn die Welt nicht repräsentiert werden kann, kann den Worten zumindest alles an Bedeutung verliehen werden - durch den Körper. Pollesch verwendet das Wort ,Flirt‘. Es ist der Flirt, der uns verbindet, nicht das Wort. Die Worte benutzen wir zum flirten.

Doch statt uns eine Geschichte vom bösen Wolf zu erzählen hält Hinrichs aka Pollesch einen erkenntnistheoretischen Monolog und gibt sich dabei alle Mühe dies als Dialog erscheinen zu lassen. Warum bloß?

8. Was aus den Kritiken zitieren

„Seit Pollesch weiß, dass Geschrei nichts nützt, setzt er auf blinkende Glühbirnen und baut Kirmeswagen um seine Ideen. Ob das reicht, den Ideen Gehör zu verschaffen?“
Gudrun Norbisrath, DerWesten

Was hilft es denn seinen Ideen Gehör zu verschaffen? Ideen vortragen ohne Dialog ist Pädagogik und die gibt sich niemand freiwillig. Und wenn jemand etwas über Zeichentheorie oder ähnliches hören wollte, dann ginge er nicht ins Theater, sondern zu einem Vortrag.
In „Der Perfekte Tag“ wird von der Theorie ja stets nur abgelenkt.

9. Eine vernichtende Kritik zitieren und seinen Senf dazu abgeben

„Das Dauer-Palaver über die Illusion der Realität und die Realität der Illusion ist eine ziemliche Zumutung – und genauso nervig wie der Dauer-Angriff der Mücken.“
Frank Dietschreit, kulturradio

Eine Zumutung, wohl kaum, denn es wird bewegt und unterhalten was das Zeug hält und das weiß Pollesch und will Pollesch und gibt Pollesch offen zu. Warum also der erkenntnistheoretische Monolog?

10. Eine Antwort geben

Einen Effekt, den Pollesch erreicht, meine ich beschreiben zu können: So hält er sich das falsche Publikum vom Leib. Preaching to the convinced. Wer nicht sowieso schon ungefähr weiß wovon er redet, kommt erst gar nicht.

11. Inkonsequenz vorhalten

Für mich ist der Übergang von Erkenntnistheorie zur Bühnenkunst klar erkennbar: Erkenntnistheorie findet im Dialog statt und bei der Produktion ästhetischer Werke bilden die gewonnenen Einsichten das Hintergrundsrauschen. Die Konsequenz, die Pollesch aus seinen Reflektionen zieht, könnte heißen: es kann nur noch unterhalten werden und dabei erzähle ich mal was von meinen Einsichten. Aber auch das tut Pollesch nicht. Er macht ja kein Kabarett. Ich sehe keinen Pollesch auf der Bühne hin und her rennen, philosophische Erkenntnisse darstellend und oder veralbernd. Polleschs Variety-Show beeindruckt auf ganzer Linie - denjenigen, den die groteske Naivität des klassischen Theaters, das weder seinen Raum, noch seine gesellschaftliche Bedingungen, noch seine eigenen Mittel reflektiert, stört. Während andere Theatermacher das eine oder das andere brechen, zerbricht Pollesch soviel, wie nur geht. Ich würde vermuten alles, außer der Rolle des Regisseurs oder des Autors... Pollesch wird nicht parodiert, oder?

12. Noch ein Video über Polleschs Arbeit im Lab ansehen

Ruhrtrilogie Teil 2 in Istanbul

......................................................................................................................
Fortsetzung folgt

Ähnliche Beiträge:

Mi, 07.07.2010 0

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Ähnliche Beiträge

Über den Autor

27.02.2010

Letzte Kommentare des Autors

vor 2 Wochen 5 Tage
vor 4 Wochen 4 Tage
vor 5 Wochen 7 Stunden
Die Grenzen verschwimmen
vor 5 Wochen 1 Tag

Thema

Aktuelle Tweets

[ART] Trauer um Installationskünstler Mike Kelley http://t.co/PrHAUOUJ /via @focusonline
[LIVE] Special @Transmediale Livestream Tonight: Joshua Lightshow with Oneohtrix Point Never http://t.co/BUoueAJe #tm2k12 /RT @Bernd_Fesel
[STARTUP] #Kreativwirtschaft: Flächen in Hamburg zu vergeben http://t.co/VnVrsrgB /via @kultur_port_de
[CREATIVE] Das Kreativdorf in Essen ist gescheitert - vorerst http://t.co/JVmT4s8c /via @derwesten